KÜNSTLERWERKSTATT
By admin / Oktober 24, 2026 / No Comments



Wenn Geschichten wieder lebendig werden
Warum ich Traditionen, Theater und künstlerische Konzepte für mich neu entdecke.
Ich erinnere mich noch gut an meine Kindheit. An die Tage vor St. Martin. An die Aufregung, die langsam durch die Straßen zog. Und an einen Mann, der schon lange vor dem eigentlichen Martinsumzug durch unseren Ort lief. Er spielte den armen Mann. Nicht nur für ein paar Minuten auf einer Bühne. Er war plötzlich Teil unseres Alltags.
Wir Kinder sahen ihn, sprachen über ihn, wurden neugierig. Etwas kündigte sich an. Und dann kam dieser Abend. Die selbst gebastelten Laternen, das gemeinsame Singen, die Menschen am Straßenrand. Irgendwann versammelten wir uns um ein Feuer. Der arme Mann saß dort, umgeben von Menschen und ihren Laternen. Und dann kam der Reiter.
Es war eine richtige kleine Aufführung. Mit Menschen, die Rollen spielten, mit Spannung, mit einer Geschichte, die wir längst kannten und trotzdem jedes Jahr aufs Neue erleben wollten. Das alles hatte etwas Besonderes. Vielleicht, weil wir nicht einfach nur zugeschaut haben.
Wir waren mittendrin.
Wenn Traditionen langsam leiser werden
Heute beobachte ich, wie sich vieles verändert. Und verstehen wir uns nicht falsch: Ich habe überhaupt nichts gegen Veränderungen. Im Gegenteil. Neues darf entstehen.
Traditionen dürfen sich weiterentwickeln, neue Formen finden und andere Menschen erreichen. Aber manchmal frage ich mich, ob wir dabei nicht etwas verlieren. Nicht unbedingt die Tradition selbst. Viele Laternenumzüge finden schließlich weiterhin statt. Kinder basteln, singen und tragen ihre Lichter durch die Straßen.
Doch was ist mit der Geschichte dahinter?
Mit dem kleinen Theater, das schon Tage vorher begann?
Mit den Figuren, denen man begegnete?
Mit dieser besonderen Vorfreude, die sich langsam aufbaute?
Vielleicht ist manches davon leiser geworden. Und vielleicht müssen wir gar nicht alles neu erfinden. Vielleicht dürfen wir manches einfach wieder lebendig machen.
Theater ist für mich etwas zutiefst Menschliches
Ein Mensch tritt vor andere Menschen. Er beginnt zu erzählen. Vielleicht verändert er seine Stimme. Vielleicht zieht er einen Mantel an, setzt einen Hut auf oder schlüpft für einen Augenblick in eine andere Rolle. Und plötzlich entsteht etwas.
Ein Platz wird zur Bühne. Eine Straße wird zum Schauplatz. Eine alltägliche Begegnung wird Teil einer Geschichte.
Menschen lachen, staunen, werden still oder erkennen sich selbst in dem wieder, was sie gerade erleben. Das ist es, was mich am Theater fasziniert. Es braucht nicht immer große Bühnen, aufwendige Kulissen oder teure Technik. Manchmal braucht es nur eine gute Idee, ein paar Menschen und den Mut, etwas gemeinsam entstehen zu lassen.
Theater kann uns für einen Moment aus unserem Alltag herausholen. Und uns gleichzeitig einander näherbringen.
Warum ich künstlerische Konzepte entwickeln möchte
In den vergangenen Jahren habe ich viel geschrieben, Geschichten erzählt, gesprochen und eigene kreative Projekte entwickelt.
Und einige auf Eis gelegt, die jedoch niemals in der Tiefe versunken waren …
Dabei merke ich zunehmend, dass mich etwas besonders begeistert: Eine Idee nicht nur aufzuschreiben, sondern mir vorzustellen, wie Menschen sie tatsächlich erleben könnten.
Wie würde diese Geschichte auf einer kleinen Bühne aussehen?
Was wäre, wenn eine Figur plötzlich mitten auf einem Marktplatz auftaucht?
Was wäre, wenn eine Veranstaltung nicht erst an ihrem eigentlichen Tag beginnt, sondern schon vorher kleine Geschichten durch einen Ort wandern?
Und was wäre, wenn Kinder nicht nur Zuschauer wären, sondern selbst ein Teil davon werden könnten?
Aus solchen Gedanken entsteht gerade eine neue künstlerische Richtung für mich und The MrSwaeger Studio.
Ich möchte Geschichten, Theaterstücke und kreative Konzepte entwickeln, die andere Menschen aufführen, gestalten und gemeinsam erleben können.
Für traditionelle Feste, für kulturelle Veranstaltungen, für Schulen, Vereine, Gemeinden und vielleicht auch für Orte, an denen bisher noch niemand an Theater gedacht hat. Dabei geht es mir nicht darum, Vergangenes unverändert zurückzuholen.
Ich möchte die Geschichten und Werte hinter unseren Traditionen verstehen und ihnen neue Ausdrucksformen geben.
Mit Fantasie, Humor, Gefühl und manchmal auch mit einem kleinen Augenzwinkern.
Eine Tradition lebt durch die Menschen
Vielleicht ist das der Gedanke, der mich dabei am meisten beschäftigt.
Eine Tradition bleibt nicht allein deshalb lebendig, weil sie jedes Jahr im Kalender steht.
Sie lebt durch Menschen, die sie gestalten. Durch Kinder, die Fragen stellen. Durch Erwachsene, die sich Zeit nehmen. Durch Künstler, die etwas wagen. Und durch Geschichten, die weitererzählt werden.
Ich weiß noch nicht, wohin mich diese neue künstlerische Entdeckung führen wird. Aber ich weiß, dass ich ihr Raum geben möchte. Denn vielleicht beginnt eine besondere Aufführung nicht mit dem Öffnen eines Vorhangs. Vielleicht beginnt sie mit einem Mann, der Tage vorher durch die Straßen geht. Und einem Kind, das stehen bleibt und neugierig fragt:
„Wer ist das eigentlich?“
Tom · The MrSwaeger Studio
Geschichten erzählen. Ideen gestalten. Menschen berühren.
